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Fleckscore Beschreibung

Info zur Fleckscoreberechnung


Die Berechnung der Vorschlagsnote aus den Ziffern für die Einzelmerkmale erfolgt in mehreren Schritten. Bei Merkmalen mit einem Optimum bringt diejenige Merkmalsziffer (auf der 9er Skala) den höchsten Einfluss auf die Komplexnote, die auch eine möglichst hohe Nutzungsdauer unterstützt. Nachdem alle Einzelmerkmale eingegeben sind, erfolgt auf dem Erfassungsgerät eine Indexberechnung. Das Ergebnis wird dann auf der Skala 68 bis 93 umgesetzt, nach den Regeln der Normalverteilung. Die Berechnung erfolgt spezifisch zum Alter der Kuh, d.h., dass sich die Komplexnote am altersspezifischen Populationsmittel der Fleckviehpopulation orientiert. Falls Mängel erkannt werden, wirken sich diese vermindernd auf die Vorschlagsnote aus.

Einleitung

Die wissenschaftlichen Methoden in der Rinderzucht haben sich in den letzten Jahren sehr stark weiter entwickelt. In naher Zukunft wird es möglich sein, das Genom bereits beim Embryo relativ genau zu analysieren und somit Vorhersagen für die spätere Zuchttauglichkeit zu treffen. Die Frage wird dabei sein, welchen Stellenwert das phänotypische Erscheinungsbild eines Tieres hierbei noch einnimmt. Schon seit Jahrhunderten spielt das Exterieur in Züchterkreisen eine große Rolle und war bereits vor Beginn der organisierten Leistungsprüfung das wichtigste Selektionsmerkmal. Rinder mit einem guten Exterieur haben dabei nachweislich nicht nur eine längere Lebensdauer, sondern sind auch repräsentativ für ein erfolgreiches Zuchtprogramm einer Rasse. Als Beispiel hierfür können Tierschauen angeführt werden, die heute und auch zukünftig als ein Publikumsmagnet für alle züchterisch interessierten Personen wirken. Neben den emotionalen Eindrücken, die von schönen Kühen vermittelt werden, muss das Exterieur aber auch in seiner Erfassung und Darstellung wissenschaftlich fundierten Ansprüchen genügen. Die Merkmale müssen eindeutig definiert sein und zu jederzeit nachvollziehbaren und gerechten Komplexnoten führen. Diese Forderung ist mit der Anwendung von Fleckscore erfüllt. Das auf elektronischer Basis arbeitende Notenvorschlagsprogramm garantiert ein einheitliches Exterieurergebnis, unabhängig von Ort oder Personen. Damit ist Fleckvieh die erste und bislang einzige Rasse, die weltweit eine standardisierte Exterieurbeschreibung garantiert. Die Berechnung der Vorschlagsnote erfolgt in Abhängigkeit von der Laktationsnummer, ist also altersspezifisch angepasst.

 

Haupt- und Einzelmerkmale

Das neue System Fleckscore bringt keine Veränderung in der Liste der bisherigen Haupt- und Einzelmerkmale. Der wesentliche Unterschied ist, dass die Skala für die Hauptmerkmale nach internationalem Standard auf ein sog. 100-Punktesystem erweitert wird. Die neue Skala reicht dann von 68 bis 93, wobei 80 das Populationsmittel beschreibt. Die Skala für die Einzelmerkmale bleibt weiterhin bei einer Punktierung von 1 bis 9, in Abhängigkeit von der Ausprägung des Merkmals. Neu ist weiterhin, dass die Hauptmerkmale Fundament und Euter als Notenvorschlag berechnet werden, sodass zukünftig für das Ergebnis der linearen Beschreibung auch immer eine elektronische Unterstützung notwendig ist. Die Rahmennote wird auf der Basis der Messergebnisse berechnet und aufgrund des Populationsmittels auf der neuen Skala ausgewiesen.

 

Rahmen

Die für die Berechnung der Rahmennote notwendigen Maße sind Kreuzbeinhöhe, Mittelhandlänge, Beckenlänge, Hüftbreite und Rumpftiefe. Das bisher für die Bullenmutterbewertung erfaßte Merkmal Brustumfang entfällt. Alle Rahmenmerkmale sind in cm möglichst genau zu erfassen. Dabei gelten folgende Definitionen:

 

Kreuzbeinhöhe:              Abstand vom Boden zur Mitte Hüfthöcker

Beckenlänge:                  Beginn Hüfthöcker bis Ende Sitzbeinhöcker

Hüftbreite:                        Abstand Außenkante Hüfthöcker

Mittelhandlänge:             Abstand Widerrist bis Beginn Hüfthöcker (Rückenlinie)

Rumpftiefe:                      Abstand Rückenlinie bis tiefste Stelle Bauchunterseite

 

Für die Berechnung des Rahmens werden jeweils für die Laktationen 1 bis 3 die Populationsmittelwerte der an der gemeinsamen Zuchtwertschätzung beteiligten Länder verwendet. Diese sind folgende:

 

 

Kreuzbein-höhe*

Mittelhand-länge*

Becken-länge*

Hüft-
breite*

Rumpf-tiefe*

1. Laktation

143,4

85,1

54,3

54,5

79,8

2. Laktation

144,9

87,3

56,3

56,3

82,4

3. Laktation

145,6

88,7

57,1

58,2

84,4

Gewichtung bei der Rahmennote

3 fach

0,5 fach

0,5 fach

1 fach

1 fach

*Angabe in cm

 

Bemuskelung

Die Erfassung der Bemuskelungsnote ist für die Zweinutzungsrasse Fleckvieh sehr wichtig. Fleckviehkühe im gewünschten Typ sollten die Fähigkeit besitzen, genügend Körpersubstanz zu bilden, um in Phasen der Hochlaktation für die Milchbildung Reserven zu mobilisieren. In der Regel sollten Kühe innerhalb der ersten 100 Tage beschrieben werden, sodass die Bemuskelungsnote etwa zum gleichen Laktationsstadium  vergleichbar ist. Obwohl die Bemuskelung ein Hauptmerkmal darstellt, ist sie nur durch die Ausprägung der Keule definiert. Deshalb ist eine Berechnung der Note nicht möglich. Der Bewerter vergibt auf der Skala von 68 bis 93 die Bemuskelungsnote und hat somit im Vergleich zur bisherigen 9er-Skala mehr Möglichkeit zur Differenzierung. 

Eine durchschnittliche Bemuskelung mit der Bewertung 80 Punkte entspricht einem geraden Profil der Außenkeule. Keulen mit einem leicht konkaven Profil sind mit 77 bis 79 zu beschreiben. Ist das Profil bereits leicht konvex, beträgt die Punktzahl 81 bis 83.

 

Fundament

Das Fundament setzt sich zusammen aus den Einzelmerkmalen Sprunggelenkswinkelung, Sprunggelenksausprägung, Fessel und Klauentracht. Nach Definition vergibt der Bewerter eine Ziffer von 1 bis 9. Entsprechend der Bedeutung des Einzelmerkmals für die Nutzungsdauer, erfolgt dann über Fleckscore der Beitrag für die Berechnung der Hauptnote. Prinzipiell sind die Einzelmerkmale immer bei beiden Hinterbeinen zu betrachten, da sich diese an der gleichen Kuh durchaus unterschiedlich zeigen können. Bei unterschiedlicher Ausprägung ist immer die Erscheinung zu beschreiben, die am stärksten vom gewünschten Optimum abweicht. Die Bedeutung der Einzelmerkmale für die berechnete Fundamentnote ist dabei  nicht gleich. Untersuchungen zur Langlebigkeit haben gezeigt, daß eine gewünschte Sprunggelenkswinkelung den größten Einfluß auf eine hohe Nutzungsdauer ausübt. Im Einzelnen ergeben sich folgende Gewichtungen:

 

Gewichtung der Fundamentmerkmale für die Komplexnote Fundament:

 

Sprunggelenkswinkelung

40 %

Sprunggelenksausprägung

20 %

Fessel

20 %

Klauentracht

20 %

 

Weiterhin sind vom Bewerter auch eventuell vorhandene Mängel zu erfassen. Diese wirken sich dann, entsprechend ihrer Ausprägung und ihrer Bedeutung zur Nutzungsdauer, mit Punkteabzügen auf die Vorschlagsnote aus. An Kühe in der ersten Laktation werden außerdem höhere Erwartungen an die Nutzungsdauer gestellt. Deshalb wird bei sehr unerwünschter Ausprägung eines wichtigen Einzelmerkmals eine Notenbegrenzung wirksam. Man spricht auch von Restriktionen. Diese sind bei Fleckscore aber nur für Jungkühe (1.Kalb) hinterlegt.

 

Restriktionen bei Jungkühen (1. Kalb) im Fundament:

 

Beschreibung: Fessel max. FuNote

Sprunggelenkswinkelung max. FuNote

1

68

1

68

2

73

2

73

3

78

7

81

9

83

8

73

 

 

9

68

 

Vom errechneten Notenvorschlag kann dann der Bewerter jeweils 3 Punkte nach oben oder unten abweichen, da das „Auge des Experten“ natürlich nicht vollständig von einer Indexberechnung ersetzt werden kann. Hierbei können z.B. auch der Bewegungsablauf und die Harmonie in den Körperverbindungen einen korrigierenden Einfluss haben.

 

Euter

Die Berechnung der Euternote erfolgt aufgrund der vergebene Ziffern von 1 bis 9 für die Einzelmerkmalen Voreuterlänge, Schenkeleuterlänge, Voreuteraufhängung, Zentralband, Euterboden, Strichlänge, Strichdicke, Strichplatzierung vorne und Strichstellung. Bei der Beschreibung gilt auch hier, analog zum Fundament, dass man das Merkmal beidseitig betrachten muss. Es ist die Ziffer zu vergeben, die vom Optimum am stärksten abweicht. Kranke Euterviertel oder durch Krankheit veränderte Euterviertel zählen für die Beschreibung nicht. Auch bei den Eutermerkmalen sind die Zusammenhänge zu Funktionalität und Nutzungsdauer unterschiedlich, sodass der Beitrag zur Hauptnote angepasst ist. Im Einzelnen sind folgende Gewichtungen hinterlegt:

 

Gewichtung der Eutermerkmale für die Komplexnote Euter:

 

Voreuterlänge

6 %

Schenkeleuterlänge

6 %

Voreuteraufhängung

14 %

Zentralband

13 %

Euterboden

24 %

Strichlänge

6 %

Strichdicke

6 %

Strichplatzierung vorne

15 %

Strichstellung hinten

10 %

 

Sehr wichtig ist auch bei der Euterbewertung, dass eventuell vorhandene Mängel erfaßt werden. Diese wirken sich je nach Ausprägung (1 oder 2) beeinträchtigend auf die Funktionalität aus und führen zu Abzügen. Dies erfolgt wie beim Fundament  altersabhängig. Auch bei sehr unerwünschten Ausprägungen von besonders wichtigen Einzelmerkmalen sind Restriktionen für die Euternote hinterlegt. Diese wirken aber nur für Kühe mit einem Kalb. Eventuell vorhandene zusätzliche Striche werden für die Euternote nicht berücksichtigt.

 

Restriktionen bei Jungkühen (1. Kalb) für die Euterberechnung:

 

 

 

Euter-boden

max. EuNote

Strichstellung oder Strichplatzierung

max. EuNote

Strickdicke oder Strichlänge

max. EuNote

Beschreibung

 

1

68

1

71

1

74

nach Ziffer

 

2

73

2

78

2

77

 

 

3

78

9

83

 

 

 

Nach Eingabe der Einzelmerkmale und eventuellen Eutermängeln kann der Bewerter  +/- 3 Punkte vom errechneten Notenvorschlag abweichen. Somit ist bei der Vergabe der Hauptnote eine gewisse Variabilität vorhanden, die um das fachmännische Urteil des Experten zu berücksichtigen.

Die Notenberechnung mit Fleckscore ist nur für die ersten drei Laktationen entwickelt worden. Bei Kühen mit 4 und mehr Kalbungen erfolgt die Berechnung auf der Basis der Drittkalbskühe, aber ohne eine Begrenzung auf +/- 3 Punkte bei der Notenanpassung.

 

Euterreinheit

Unter Euterreinheit versteht man das Vorhandensein von überzähligen Strichen. Diese werden offiziell weiter bei der Beurteilung der Kuh erfasst, wirken sich aber nicht auf die Euternote aus. Das hat auch schon in der Vergangenheit der Fall. Bullenmütter sollten möglichst keine überzähligen Striche haben. Kleine Ansätze können im Ausnahmefall toleriert werden.

 

Prädikat Premium

Für herausragende Kühe in den Merkmalskomplexen Fundament und Euter kann ab dem zweiten Kalb die Skala auch über die 93 Punktebegrenzung hinaus geöffnet werden. Dies ist auf dem elektronischen Erfassungsgerät möglich, sobald der Notenvorschlag die 90 Punkte übertrifft. Für Kühe mit 2 Kälbern können dann max. 94 Punkte und für Kühe mit 3 Kälbern max. 95 Punkte vergeben werden. Diese Bewertungen erhalten das Prädikat „Premium“ und werden nur in besonderen Ausnahmefällen vergeben.


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